
Rund 70 Radfahrer zur Eröffnungskundgebung auf dem Schloßplatz Schwetzingen
Fahrraddemo zur Landtagswahl Baden-Württemberg
Fahrraddemo zur Landtagswahl – rund 70 Radfahrer wollen bei nachhaltiger Mobilität nicht auf die Bremse drücken!
Anlässlich der Landtagswahl hatten der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und der Ökologische Verkehrsclub Deutschlands (VCD) am Samstag, den 28. März, zur Fahrraddemo für nachhaltige Mobilität von Schwetzingen nach Heidelberg unter dem Slogan „Jetzt nicht auf die Bremse drücken!“ mit Zwischenkundgebung am Eppelheimer Wasserturm aufgerufen. Diesem Aufruf waren rund 70 Personen gefolgt, die sich gegen 14:00 am Palais Hirsch auf dem Schwetzinger Schlossplatz sammelten.
Dort eröffnete der Jazzmusiker und VCD-Sprecher Manfred Kern die Demo musikalisch mit dem Lied „Fahrrad fahr’n“ von Max Raabe, ehe ADFC-Sprecher Florian Reck inhaltlich einführte und dabei einen breiten Bogen über verschiedenste Mobilitätsfragen spannte. Der Oftersheimer Fahrradaktivist betonte, dass es in den vergangenen Jahren zwar große Fortschritte im baden-württembergischen Verkehrswesen gegeben habe, dass das Tempo aber noch ausgebaut werden müsse, wenn die Verkehrswende noch eine effektive Klimaschutzmaßnahme sein solle: „Wir müssen jetzt auf den erreichten Fortschritten aufbauen und nicht irgendwann! Wir dürfen jetzt nicht auf die Bremse drücken! Denn ich will ganz deutlich werden: Mit der Physik kann man nicht verhandeln. Jeder zusätzliche Ausstoß von Klima-Emissionen problematisiert die Weltlage weiter.“ Dem Verkehrswesen, käme dabei eine große Bedeutung zu, weil hier das Land zentrale Hebel in der Hand habe und weil, so Reck mit Bezug auf den Zukunftsforscher Jens Clausen: „Der Verkehr wird in Deutschland voraussichtlich ab 2027 zur größten Quelle von Treibhausgasemissionen wird. Denn: Während Energiewirtschaft, Industrie und Bausektor ihre Emissionen reduzieren, sei im Verkehrssektor eine Reduktion weder zu beobachten, noch wegen des hohen Verkaufsanteils von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor aktuell überhaupt möglich.“ Der Fahrradclub-Sprecher forderte von den Landtagskandidierenden, sich im nächsten Landtag konsequent für eine nachhaltige Mobilitätspolitik einzusetzen, die den Bedürfnissen aller Menschen dient.
Dann startete der Demokonvoi mit einem Klingelkonzert durch Schwetzingen und Plankstadt nach Eppelheim, wo einige Wahlkreiskandidierende zentrale Aspekte der Mobilitätswende beleuchteten.
Vincent Kilian (SPD) hielt eine Lobesrede auf das Deutschlandticket. Das Ticket habe das Potenzial die Flickenteppichwirtschaft der Verkehrsverbünde deutlich zu vereinfachen und so auch Pendlern und Reisenden das Leben einfacher zu machen. Der Sozialdemokrat mahnte aber auch: „Lieber ist es ein bisschen teurer, als dass es gar nicht mehr existiert. Aber wir müssen uns ja schon überlegen, wie lange wir das Spiel eigentlich mitmachen.“ Demnach sei eine „Preisbremse“ dringend geboten, um das Deutschlandticket attraktiv zu halten.
Mara Zeltmann (Die Linke) sprach gemeinsam mit der Kreisrätin Frederike Marx zunächst darüber, wie gute Radwege und öffentlicher Nahverkehr soziale Teilhabe ermöglichen und wie die linke Kandidatin in der Kurpfalz erst die Freude am Radfahren entdeckt hatte. Frederike Marx betonte, wie „cool“ sie die Idee der Radschnellverbindungen bei einem ihrer ersten Termine als Kreisrätin gefunden habe – und wie enttäuscht sie seither vom Fortschritt sei: „Seitdem sind sieben Jahre vergangen und wir haben immer noch nicht die Genehmigungsplanung erreicht. Wir sehen also: Eine Beschleunigung von Planungsverfahren ist dringend erforderlich!“
Staatssekretär Andre Baumann (Grüne) betonte die Fortschritte, die er insbesondere dem Landesverkehrsminister Winfried Hermann zurechnet: „Es ist wichtig, dass ein nachhaltiger Verkehrsmix aus Baden-Württemberg auch starke Fürsprecher gegenüber Berlin hat!“ FDP-Kandidat Holger Höfs, der selbst leidenschaftlicher Mountainbiker ist, verzichtete zugunsten persönlicher Gespräche mit potenziellen Wählerinnen und Wählern unterwegs auf einen eigenen Redebeitrag.
Am Endpunkt der Fahrraddemo, auf dem Europaplatz am Heidelberger Hauptbahnhof, berichtete dann Loris Graf, der als Mobilitätsexperte der Europapartei Volt für deren verhinderten Kandidaten Yannick Hild eingesprungen war, von „Best Practice“-Beispielen aus europäischen Klein- und Mittelstädten, die nach Deutschland importierbar wären: „Ein gutes Beispiel ist der niederländische Ort Lent mit 15.000 Einwohnern. Dort gibt es heute schon einfache und sichere Möglichkeiten, ins nahegelegene Nijmegen zu pendeln über komplett separate Radwege. Wir diskutieren hier noch über unseren Radschnellweg zwischen Heidelberg und Schwetzingen, dort ist das längst Realität.“ Das Besondere an den Beispielen sei aber, „dass sie nichts Besonderes sind. Und das ist die größte Stärke der Niederlande: Konsistenz!“
Anschließend verabschiedeten Norbert Schön (ADFC) und Manfred Kern (VCD) die 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ehe zum Abschluss „mein Fahrrad“ von den Prinzen gemeinsam angestimmt wurde.
Organisator Florian Reck zieht ein durchweg positives Fazit: „Wir haben starke Zusagen der Kandidierenden bekommen, sich weiter für nachhaltige Verkehrslösungen einzusetzen, die Demo war gut besucht, die Musik kam gut an, und wir hatten eine interessante Ausfahrt bei gutem Wetter – was will man mehr?“ Einzig die mangelnde Geduld einiger Autofahrer und einige abenteuerliche Überholmanöver hätten die Stimmung für ein paar Momente kurz eingetrübt. „Ich hoffe, dass den Worten auch Taten folgen“, ergänzt VCD-Sprecher Manfred Kern.